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| Sumpfblutauge |
Straußblütiger Gilbweiderich
(Lysimachia thyrsiflora) |
Zu den besonders seltenen Pflanzenarten
gehören die Schneide (Cladium
mariscus), ein bis zu 2 m hohes Sauergras mit schneidend
scharfen Blättern, und der Gagel (Myrica
gale). Dieser Strauch hat einen intensiven aromatischen Duft.
Seine Blätter wurden früher in Straelen anstelle
des Hopfens zum Würzen und Haltbarmachen des Bieres
(das so genannte „Gruitbier“) genutzt.

Gagel, Myrica gale: weibl. Kätzchen (links),
männliche Kätzchen (rechts)
Heute ist das Hangmoor von Erlen-Bruchwäldern geprägt.
Kleinflächig sind auch noch Birken-Bruchwälder zu
finden, die typisch für die ehemals nährstoffarme
Moorlandschaft sind. Die weiten offenen Moorflächen
sind inzwischen fast vollständig verschwunden, denn
die Verlandung und Verbuschung der Sümpfe, die über
dichte Grauweidengebüsche schließlich
zur Entstehung von Bruchwäldern führt, ist weit
fortgeschritten. Dieser natürliche, aber eigentlich
Jahrhunderte dauernde Prozess läuft hier im Straelener
Hangmoor durch die stetige Entwässerung über den
Leitgraben und Nährstoffeinträge über das
Grundwasser deutlich beschleunigt ab.
Die nassen Bereiche der Bruchwälder und
der vorgelagerten Grauweidengebüsche sind sehr reich
an Seggenarten: Insgesamt kommen 14 verschiedene Arten dieser
Sauergräser vor,
von denen acht gefährdet sind. Eine sehr imposante Pflanzenart
der Feuchtwälder ist der Königsfarn (Osmunda
regalis), der mächtige Horste bildet. Diese in Nordrhein-Westfalen
gefährdete
Farnart kommt hier regelmäßig mit beeindruckend
großen
Beständen vor. Sie bildet mächtige, mannshohe Wedel
aus. Die auffälligen, ährenförmigen Sporenträger
sitzen auf besonders gestalteten Wedeln.
Oft sind die Feucht- und Nasswälder von kleinen, sich
zum Leitgraben schlängelnden Quellbächen durchzogen.
Hier sammelt sich das am Hangfuß in kleinen Sickerquellen austretende
Grund- und Niederschlagswasser aus den Flächen oberhalb
der Geländekante. Dadurch stehen weite Teile des Schutzgebietes
unter dem Einfluss von sauerstoffreichem bewegtem Quellwasser,
was durch Pflanzenarten wir die Wald-Simse, die Winkelsegge, die Brunnenkresse,
den Sumpf-Baldrian (Valeriana dioca) oder
das Wald-Schaumkraut angezeigt wird. Eine
typische Quellwasser-Pflanze ist auch das seltene Gegenblättrige
Milzkraut , das im Frühjahr gelb blühende
Teppiche in den Quellzonen bildet.
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Der seltene Sumpfbaldrian |
Blühendes
Milzkraut |
Zum Schutz und Erhalt der Geländekante und als Pufferzone
für die empfindlichen Feuchtgebiete sind auch bewaldete
Bereiche auf dem Niveau der Mittelterrasse ins Schutzgebiet
einbezogen worden. Hier wachsen meist brombeerreiche Kiefern-
und Fichtenforste und Birken-Eichenwälder .
Eine besondere Art dieser lichten Wälder ist der Wiesen-Wachtelweizen ,
ein einjähriger Halbschmarotzer, der an den Wurzeln
anderer Pflanzen schmarotzt.
Tierwelt
Die Feucht- und Nasswälder des Hangmoores bilden zusammen
mit den Baumbeständen der angrenzenden Geländekante
eine weitgehend ungestörte, Waldinsel inmitten der umgebenden
intensiv genutzten und gehölzarmen Agrarlandschaft.
Diese Strukturen haben daher eine ökologisch bedeutende
Vernetzungsfunktion. Das Gebiet zeichnet sich durch die große
Vielfalt unterschiedlicher Waldtypen aus, die auf kleinem
Raum wechseln und meist reich an Sträuchern sind: Ungenutzte
Bruchwälder, Grauweidengebüsche, unterschiedliche
Nadelforste, Pappelforste und Eichenwälder. Diese hohe
Strukturvielfalt spiegelt sich in einem sehr großen
Artenreichtum wider.
So brüteten hier 2003 mindestens 50 Vogelarten, sieben
davon werden in der „Roten Liste“ der in NRW gefährdeten
Arten geführt. Einige Singvogelarten kommen außerdem
in außergewöhnlicher Dichte vor, vor allem Zaunkönig und Zilpzalp, aber
auch Mönchsgrasmücke, Misteldrossel oder
der Gartenbaumläufer .
Viele der vorkommenden Vogelarten ( Schwarzspecht,
Grünspecht, Buntspecht, Waldkauz, Turteltaube, Hohltaube )
sind gefährdete Höhlenbrüter, die auf viele
Alt- und Totbäume im Wald hinweisen. Weitere typische
Waldbewohner sind Gartenrotschwanz, Kleiber und Waldlaubsänger, während
mit Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke oder
der Heckenbraunelle in den Randbereichen
auch charakteristische Arten der halboffenen Heckenlandschaften
vorkommen. In den Schilfröhrichten brüten Sumpf-
und Teichrohrsänger.
Neben der Vogelwelt findet auch Rehwild Schutz
in den unzugänglichen Wald- und Gebüschflächen.
Im Bereich der Geländekante lebt der Dachs in
seinen unterirdischen Bauten. Vermutlich sind die Tiere des
Hangmoores Teil der großen niederländischen Dachspopulation
im Grenzbereich. An den Waldsäumen können zahlreiche Schmetterlingsarten beobachtet
werden.
Was getan wird, um das Hangmoor zu erhalten
Der große naturkundliche Wert des Hangmoores bei Straelen
als Rückzugsort der seltenen und gefährdeten Flora
der Niedermoore war bereits in den 60er Jahren bekannt. Damals
war die zentrale Moorfläche noch sehr viel stärker
vernässt und frei von Gehölzen, nur am Ostrand
wurde sie von einem schmalen Birken-Bruchwald begrenzt. Anfang
der 80er Jahre wurde das Gebiet im Rahmen einer Staatsexamensarbeit
sehr genau untersucht und dokumentiert. Diese Untersuchungen
waren Anlass, dass das Land Nordrhein-Westfalen seit 1984
knapp 8 ha Flächen für den Naturschutz ankaufte
und als Naturschutzgebiet auswies. In den folgenden Jahren setzte die NABU-Ortsgruppe
Straelen eine Reihe von Maßnahmen zur ökologischen Optimierung
um: So wurden mehrere kleine Entwässerungsgräben
zum Leitgraben hin abgedichtet und die zahlreichen Pappeln
auf der Moorfläche geschlagen. Außerdem begann
man damit das Schneidenried und die Gagel-Sträucher
von aufkommende Erlen und Grauweiden frei zu halten.

Bestand des Gagels, Myria gale, im
Winter |
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Die
mühevolle, durch Motorsägen vorsichtig unterstützte
Handarbeit zum Freischneiden der Moorfläche wird bis
heute einmal jährlich durch die Ehrenamtlichen des NABU
fortgeführt. Dadurch hat sich besonders der Gagel stark
ausbreiten können, und auch die ebenfalls lichtbedürftige
Schneide und viele weitere Moorarten blieben bisher erhalten.
Anfang 1988 wurde schließlich das Naturschutzgebiet
Hangmoor Damerbruch mit einer Größe von 9 Hektar
ausgewiesen. Ende 2002 konnte das Gebiet auf Antrag des NABU
deutlich auf eine Größe von 71 ha erweitert werden:
Die Hangkante und die von Quellwasser geprägte Zone
am Hangfuß sind nun zwischen der B58 und der niederländischen
Grenze nördlich Venlo geschützt. Die 9 ha große
Kernfläche wurde im Jahr 2001 als Lebensraum
der „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) in das
europäische Schutzgebiet-Netz „Natura 2000“ aufgenommen.
Das NABU-Naturschutzzentrum
Gelderland hat
im Jahr 2003 einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgebiet
Hangmoor erarbeitet. Als größtes Problem wird darin
die kontinuierliche Entwässerung durch den Leitgraben
beschrieben, denn trotz aller Schutzbemühungen haben sich
das Schilf und die Grauweiden weiter ausgebreitet. Aufgrund
der Bedeutung des Grabens zur Entwässerung eines großen
landwirtschaftlich genutzten Einzugsraums beiderseits der Grenze
waren wirksame Maßnahmen zur Unterbindung der Entwässerung
bislang leider nicht umsetzbar.

Bachröhricht im Bereich der Kernfläche
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Verdiente Pause bei der Hangmoor-Pflege
2004
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